Diese Biersorte überrascht wie keine andere, vor allem mit einer Vielzahl an Untersorten. Im Herkunftsland Großbritannien, dem zweitgrößten Bierproduzenten Europas (nach Deutschland), wurde bis ins 18. Jahrhundert noch zwischen „beer“ und „ale“ differenziert, sodass es zwei verschiedene Brauereiberufe gab. Vor dem 15. Jahrhundert bezeichnete der Begriff ausschließlich ungehopfte Biere. Später benutzten dann auch Ale-Brauer Hopfen.

Während der Kolonialzeit verbreitete sich diese Braukunst über die englischen Grenzen hinaus und etablierte sich in Australien und Amerika, die mittlerweile ganz eigene Traditionen in der Herstellung entwickelt haben. Im Unterschied zum Lagerbier wird bei dieser Biersorte mit der obergärigen Hefe bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad vergoren. Beim Lagerbier geschieht dies bei deutlich geringeren Temperaturen.

In den USA wird Ale heute oftmals als Oberbegriff für alle obergärig gebrauten Biere verwendet. In den Ländern, die von der untergärigen Brauweise begeistert sind, ist das englische Bier eher weniger populär. Dazu zählt zum Beispiel auch Deutschland. Die beiden bekanntesten Untersorten sind das „Pale Ale“ und das „India Pale Ale“ (kurz: IPA). Dies sind Sorten, die besondere Beliebtheit in der Craft Bier Szene genießen.

Bei dieser Geschichte wundert es also wenig, dass von einer hellgelben bis dunkelbraunen Färbung und einer leichten Hopfenbittere bis hin zum stark gehopften Bier alles dabei ist. Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: Durch die obergärige Brauweise und den Gebrauch von Hopfen entstehen zahlreiche Fruchtaromen.

Ale

Zu weiteren Untersorten dieser Kategorie gehören unter anderem:

  • Gueuze
  • Berliner Weiße
  • Oud Bruin
  • Lambic
  • Saison
  • etc.

Nichts zu tun mit der Biersorte hat allerdings das beliebte Softgetränk Ginger Ale. Das antialkoholische Getränk könnte leicht mit dem Bier in Verbindung gebracht werden, bekam seinen Namen allerdings durch die Pflanze Ingwer, durch die es hergestellt wird.

Schwarzbier

Aufgrund von speziellen, sehr dunklen Malzen erhält das Schwarzbier seine charakteristische dunkle, fast schwarze Färbung, die ihm auch seinen Namen gibt. Anders, als es vielleicht vom Äußeren den Anschein macht, ist diese Biersorte nicht etwa ein Starkbier mit erhöhtem Alkoholgehalt.

Es ist ein stark malzbetontes Vollbier, was sich durch einen vollmundigen Geschmack mit leichten Kaffee- und Schokoladennoten auszeichnet. Der Hopfen spielt hier lediglich eine untergeordnete Rolle, da er lediglich dazu dient der Süße des Malzes entgegenzuwirken. Die Geschichte des Schwarzbieres reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, wo er 1309 das erste Mal urkundlich festgehalten wurde. So scheint die Braunschweiger Mumme zur Zeit des Mittelalters äußerst beliebt gewesen zu sein. Im Laufe der Jahre ereilte das Schwarzbier jedoch dasselbe Schicksal wie vielen anderen dunklen Bierstilen. Durch die immer beliebter werdenden Lager- und Weizenbiere nahm die Popularität des Schwarzbiers stetig ab. Einen erneuten Aufschwung schaffte es jedoch nach der Wiedervereinigung durch die Köstritzer-Brauerei, die heute wohl größte Schwarzbierbrauerei. Besonders in den neuen Bundesländern, als lokale Spezialität, findet das Schwarzbier wieder viele Abnehmer. Bundesländer wie Sachsen, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern sind heute Heimat der Schwarzbier Braukultur.

Zu den bekanntesten Marken und Herstellern gehören:

  • Köstritzer
  • Störtebeker
  • Neuzeller
  • Krusovice
  • Zwiefalter

Als untergäriges Bier ist das Schwarzbier eng verwandt mit anderen Biersorten wie dem Pils, dem Märzen und dem Lager- und Exportbier.

Weizen

Das Weizenbier, in Bayern Weißbier genannt, ist ein mit obergärigem Hefen gebrautes Bier, welches nach der Brauung direkt in Flaschen abgefüllt wird und darin reift. Um als Weizen zu gelten müssen zwei Kriterien erfüllt sein: Zum Ersten muss es immer obergärig sein und zum Zweiten muss der Weizenmalzanteil immer mindestens 50% des Gesamtmalzanteils ausmachen. Bei diesem Bier unterscheidet man zwischen zwei Varianten: Dem naturtrüben Hefeweizen und dem klaren Kristallweizen. Optisch zeichnet sich das Weizenbier, je nach Variante, sowohl durch eine lichtgelbe, als auch dunkelbraune Färbung aus. Das vollmundige Aroma wird begleitet von dezenten Fruchtnoten. Besonders erfrischend wird es durch den höheren Kohlensäuregehalt, der für einen spritzigen Geschmack sorgt.

Seine Hochburg liegt in Bayern, jedoch verbreitete es sich rasant in ganz Deutschland. Dies änderte sich schlagartig als das bayerische Herrscherhaus 1567 das Brauen dieses Bieres verbot, um den kostbaren Weizen für die Herstellung von Brot einzusparen.

Ein weiterer Grund für das Verbot war auch das Reinheitsgebot, das ausschließlich Gerste zum Brauen von Bier vorsah. Lediglich dem niederbayerischen Geschlecht der Degenberger war die Verwendung von Weizen in ihrer Brauerei in Schwarzach weiterhin gestattet. Diese bekamen dieses Recht bereits 1529 von Wilhelm IV., dem Begründer des Reinheitsgebots, verliehen. Als der letzte männliche Nachkomme der Familie verstarb, ging sein gesamter Besitz im Jahre 1602 an das bayerische Herrscherhaus zurück. Somit auch das alleinige Recht Bier zu brauen.

Die Wiederkehr des Weizen

1605 gründete Herzog Maximilian I. dann das Weisse-Bräuhaus in München. Hierfür holte er sich die ehemaligen Fachleute der Degenbergers ins Haus, betrieb die Brauerei und war damit der Einzige in ganz Bayern. Von da an war das Weizenbier etwa 200 Jahre lang die beliebteste und meistgetrunkene Biersorte Bayerns.

Der Abschwung

Zum Ende des 18. Jahrhunderts trat das Weizenbier in Konkurrenz mit dem immer beliebter werdenden braunen Bier. Das Geschäft des Herzogs war plötzlich nicht mehr lukrativ, sodass er das Weizenbiermonopol aufhob und jeder das Recht Bier zu brauen zurückerlangte. Im 19. Jahrhundert eroberte dann das Pils, welches auch unter bayerischer Beteiligung entstanden ist, den Platz als beliebtestes Bier Bayerns.

Das Pils – eine untergärige Biersorte, die wohl jedem – gerade jedem Deutschen – ein Begriff ist. Ob Biertrinker oder nicht, jeder kennt das hellgelbe bis goldfarbene Getränk. Ursprünglich kommt es aus Pilsen, einer Stadt im Westen der Tschechischen Republik. Dort wurde es 1842 durch Josef Groll, den damaligen Brauer der bekannten Pilsner Urquell Brauerei, zum ersten Mal ausgeschenkt. Brauerei, Wasser, Rezeptur, Geschmack – alles, was das Pils ausmacht, ist seitdem unverändert geblieben. Erste Aufmerksamkeit erregte das Bier in Preußen, verbreitete sich dann in Süddeutschland und ist heute das meistgetrunkene Bier der ganzen Bundesrepublik. Es macht momentan mehr als 50% des Gesamtaustoßes aller Biersorten aus und jeder zweite deutsche Mann trinkt im Schnitt mindestens einmal die Woche ein Pils. Geschmacklich weist es eine herbe Note und deutliche Bittere auf, da es ein hopfenbetontes Bier ist, welches kaum einen Malzanteil enthält. Es lässt sich als Vollbier klassifizieren.

Pils

Oben im Bild ist die ideale Schaumkrone eines frisch gezapften Bieres zu sehen. Entgegen dem Volksmund „ein gutes Pils braucht sieben Minuten“, raten Bierexperten und -Gourmets zu einem zweiphasigen Zapfen in nur drei Minuten. Zunächst sollte das Bierglas langsam mit der ersten Schaumkrone bis zum Glasrand gefüllt werden. Nach dem Setzen der Schaumkrone dann einmal nachzapfen und voilá – das perfekte Pils ist serviert! Jetzt noch sicherstellen, dass das „flüssige Gold“ ungefähr 8 Grad besitzt und das Trinkerlebnis ist abgerundet.

Zu den bekanntesten Marken und Herstellern gehören unter anderem:

  • Oettinger
  • Warsteiner
  • Krombacher
  • Bitburger
  • Beck’s
  • Hasseröder
  • Veltins

Als untergäriges Bier ist das Pils eng verwandt mit Biersorten wie dem Lagerbier, dem Exportbier, dem Märzen und dem Schwarzbier.

Das Bier in Deutschland hat bereits eine lange Tradition und ist nicht mehr aus der Kultur wegzudenken. Da wundert es nicht, dass es in Deutschland über 5.000 verschiedene Biere gibt. Aber nicht nur hier wird deutsches Bier mit seinem Reinheitsgebot geschätzt, auch im Ausland ist Bier „Made in Germany“ sehr begehrt. Italien, Frankreich, die Niederlande und die USA zählen zu den wichtigsten Auslandsmärkten der deutschen Brauereien.

Bierfass

Vielfalt der Bierstile

Neben der beliebtesten Biersorte Pils, gibt es in der deutschen Bierlandschaft zahlreiche andere Variationen, wie Export-, Weizen- oder Kellerbier, helles oder dunkles Bier. Da ist für jeden etwas dabei! Sogar jeder 20. Liter Bier ist alkoholfrei. Wie mit dem Essen, ist es auch bei den Bieren so, dass in verschiedenen Gebieten Deutschlands auch unterschiedliche Bierstile bevorzugt werden. Das Weißbier in Bayern, Schwarzbier in Sachsen und dunkle Biere in Franken. Die wohl bekannteste Rivalität zweier Städte und ihrem Bierstil, findet man zwischen Köln und Düsseldorf. Beide Städte trinken zwar bevorzugt obergärige Biere, jedoch wird in Köln Kölsch getrunken, ein helles, süffiges Bier, während in Düsseldorf Altbier, ein dunkleres, malzigeres Bier beliebt ist. Die beiden Städte liegen nur 40 Kilometer voneinander entfernt und doch sind die Biervorlieben derart verschieden.

Stetig kommen zu den bisher bestehenden Bierstilen neue hinzu, da sich die deutschen Brauer im Rahmen des deutschen Reinheitsgebots ausprobieren, um die Sorten- und Markenvielfalt zu vergrößern. Jeder Bierstil ist anders, hat seinen eigenen Charakterzug und sein eigenes Aroma. Meist kommt es nur auf Kleinigkeiten an, die beim Brauen verändert werden, um einen neuen Bierstil zu kreieren. 

Pils

Das hellgelbe untergärige Pilsbier erlangt seine herbe Note durch eine starke Hopfung. Durch die Verwendung einer höheren Stammwürze kommen intensivere Hopfenaromen zur Geltung. Zu dem bitteren Geschmack des Hopfens gesellen sich frische Zitrusnoten.

Weizen

WeizenbierEin Münchener Klassiker ist das Weißenbier, oder auch Weißbier genannt. Dieses hat ein malziges vollmundiges Aroma. Als obergäriges Bier ist es in der Regel hefetrüb, erfrischend und von dezenten Fruchtnoten gekennzeichnet. Es hebt sich als fruchtig würzige sommerliche Erfrischung hervor, egal ob naturtrüb als Hefeweizen, oder klar als Kristallweizen. Das dunkle Weizenbier hat einen stärkeren Malzcharakter.

Schwarzbier

SchwarzbierSeine dunkle Färbung erhält das Schwarzbier durch die dunklen Malze, die beim Brauen verwendet werden. Gekennzeichnet ist es durch ein malzbetontes, vollmundiges Aroma, mit leichten Kaffee- und Schokoladennoten. Der Hopfen agiert hier lediglich, um den süßen Charakter auszubalancieren. Der Unterschied zwischen einem Schwarzbier und einem Porter liegt allein darin, dass Schwarzbiere in der Regel untergärig sind, wogegen ein Porter mit obergäriger Hefe vergoren wird.