Craft Beer

Was ist  Craft Beer?

Die Begriffe Craft Beer oder Craft Bier begegnen einem so häufig wie nie zuvor. Und wenn man Bier-Enthusiast ist, dann kommt man sowieso nicht an ihnen vorbei. Aber was ist eigentlich Craft Beer?

Craft Beer BrauereiÜbersetzt man das englische Wort „craft“ wortwörtlich ins Deutsche so bedeutet dies „handwerklich“ – die Übersetzung von „Craft Beer“ wäre also „handwerklich hergestelltes Bier“. Das beantwortet aber die Frage „Was ist Craft Beer?“ noch nicht so wirklich. So ist beispielsweise der Beruf des Brauers nach dem Berufsbildungsgesetz ein Handwerksberuf. Hieraus könnte man nun schnell zu der Annahme kommen, dass jedes Bier, an dem ein Brauer beteiligt ist, Craft Bier wäre. Aber so einfach ist es nicht!

Was ist Craft Beer in den Vereinigten Staaten?

Der Begriff „Craft Beer“ kommt aus den Vereinigten Staaten. Dabei wird er auch gerne eingedeutscht genutzt, was dann zu der denglischen Varianten Craft Bier“ führt. Manchmal sieht man auch den Begriff Kraftbier“, was allerdings eher Kopfschütteln hervorruft als dass es das Richtige meint – denn es wirkt doch mehr gewollt als gekonnt.

In den Vereinigten Staaten hat die Brewers Association definiert was Craft Beer bzw. ein Craft Brewer ist. Zunächst gelten erstmal die Schlagwörter: small, independent, traditional. Um es auch umsetzbar zu machen, wurden die drei Begriffe mit Zahlen und Indikatoren ausgestattet:

  • Eine Craft Beer Brewery darf nicht mehr als 6 Millionen Barrel pro Jahr herstellen. Umgerechnet sind das ca. 10 Millionen Hektoliter.Bierhefe Craft Beer
  • Die Produkte entscheiden. Das heißt, dass das Sortiment größtenteils aus traditionell gebrauten Bieren bestehen muss. Bei diesen Bieren müssen Hopfen, Malz, Hefe und Wasser verwendet werden.
  • Die Brauerei muss unabhängig sein. Dies spiegelt sich im Besitzerverhältnis wieder: So darf ein Konzern aus der Alkoholbranche mit maximal 24,99% beteiligt sein. Ansonsten wäre die Brauerei abhängig und der Einfluss des Konzerns spürbar.

Insgesamt finden wir in der Brewers Association ca. 4.000 solche Brauereien, die ca. 14% des gesamten Bierumsatzes der USA generieren.

Was ist Craft Bier in Deutschland?

Der einfache Weg der Definition in Deutschland wäre die Kriterien der Amerikanter zu übernehmen. Das klappt leider nicht, denn hierzulande wird in den Brauereien z.B. weniger Bier gebraut. Auch halten sich die deutschen Brauereien sowieso (fast) alle an die Inhaltsstoffe von Bier – dank dem Reinheitsgebot. Das Beteiligungsverhältnis könnte ein gutes Kriterium sein, denn diesen Sachverhalt gibt es hier unter dem Begriff „Sperrminorität“.

Der Verein Private Brauereien Bayern hat einen guten Ansatz gefunden, den wir allerdings um ein weiteres Kriterium erweitern und so zu einer – unserer Meinung nach – passenden Definition für Craft Beer kommen:

  1. Bei Craft Beer kennt man die Rohstoffe

Es ist wichtig zu wissen, wo die Rohstoffe herkommen. Dabei ist die Qualität von Hopfen und Malz und das Wissen um den Produzenten wichtig – eben wie bei jedem Qualitätsprodukt.Hopfen pflücken für Craft Beer

  1. Craft Beer ist Tradition und Handwerk

Es geht um Rezepte und um einen Brauprozess, bei dem Geschmack und Qualität im Vordergrund stehen und nicht die Effizienz von Produktionsanlagen.

  1. Craft Beer ist unabhängig und regional

Eine geschmackliche Entfaltung braucht Unabhängigkeit. Denn nur zu oft bedingen regionale Besonderheiten auch eine regionale Geschmacksausprägung. Und so geht es bei Craft Bier nicht darum ein massentaugliches Bier herzustellen, was eine größtmögliche Absatzmenge garantiert. Desweiteren benötigt Craft Bier nur zu oft kurze Vertriebswege, da es eine geringere Haltbarkeit hat als industriell gefertigte Biere.

  1. Bei Craft Beer kennt man den Brauer

Es ist klar wer der Brauer ist oder welches Brauteam hinter dem Bier steht. Es geht um Transparenz und um Vertrauen zum Brauer!

  1. Craft Beer bedeutet Geschmack

Das Craft Bier muss schmecken! So muss das Craft Bier nicht zwingend jedem schmecken, aber es muss Charakter haben. Es sind Biere mit Ecken und Kanten.

  1. Craft Beer braucht Kreativität

Craft Bier braucht Kreativität, Craft Bier braucht Mut. Denn nur so entstehen besondere Biere, die unsere Geschmacksrezeptoren manchmal vor Herausforderungen stellen und immer wieder spannende Geschmacksabenteuer liefern.

Wird Craft Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut?

Craft Beer VielfaltOft schwirren Gerüchte durch die Gegend, dass Craft Beer sich nicht an das Reinheitsgebot hält oder dass man bewusst mit dem Reinheitsgebot brechen wolle, quasi als Aufstand gegen Etabliertes. Diese Aussagen mögen dem einen oder anderen Brauer Aufmerksamkeit bringen, mit der Realität haben sie aber wenig zu tun. Denn das Reinheitsgebot besagt das man zum Bier brauen Wasser, Gerstenmalz, Hefe und Hopfen verwenden darf. Und aus diesen Zutaten werden sowieso die meisten Biere und auch Craft Biere gebraut: Vom Pils, über das Pale Ale, bis hin zu Lager und Porter. Kommen nun allerdings Kirschen, Gewürze oder andere Zutaten hinzu, so sieht die Welt dann schon wieder ein wenig anders aus. Insofern kann man die Frage nur mit einem JEIN beantworten und sagen: Es kommt darauf an!

Craft Bier ist zumeist teurer. Warum?

Dies hat vorwiegend mit zwei Faktoren zu tun. Zum einen liegt es an den Rohstoffen. Da hier auf Qualität gesetzt wird und sich die Brauer beim Hopfen oft nicht lumpen lassen – sprich sie verwenden mehr oder besonderen Hopfen, um ein möglichst aromatisches Bier zu brauen – kosten die Rohstoffe im Verhältnis mehr als bei einem normalen/industriellen Bier. Zum anderen brauen Craft Brauer oft in kleineren Mengen und können ihren Brauprozess nicht so kosteneffizient fahren. Diese Faktoren kann man aber auch leicht mit anderen landwirtschaftlich produzierten Gütern vergleichen. Auch hier sind handwerklich gut gemachte Sachen einfach teurer als industriell Gefertigte.

Wie ist die Craft Beer Bewegung entstanden?

Ihre Wurzeln hat die Craft Beer Bewegung in den Vereinigten Staaten. Denn Craft Beerhier gab es bis in die 70er Jahre hinein fast nur Einheitsbier von drei großen Konzernen – alles leicht, billig, in großen Mengen konsumierbar und: Es schmeckte alles gleich! Das dies die Bierenthusiasten nicht befriedigte liegt auf der Hand. So entstand in den Staaten eine lebendige Hobby-Brauer-Szene, denn alle die keine Lust auf Einheitsbier hatten, mussten sich selbst behelfen.

Das Home Brewing etablierte sich und ab Ende der 70er Jahre durfte nicht mehr nur für den Hausgebrauch gebraut werden, sonder man konnte das eigene Erzeugnis auch verkaufen. Hier startete dann eigentlich die Craft Beer Bewegung, so wie wir sie heute kennen. Einige Hobby-Brauer professionalisierten sich und wurden zu Craft Beer Brauern und inzwischen machen die Craft Biere einen Anteil von 14% am gesamten Biermarkt in den USA aus. Von so einem Verhältnis sind wir in Deutschland noch weit entfernt – denn wir haben eine andere Bier-Historie und stehen beim Thema Craft Bier noch ziemlich am Anfang.

Wo gibt es Craft Beer?

Das Thema Craft Beer ist in Deutschland definitv angekommen. Mittlerweile findet man eine Auswahl im gut sortierten Getränkehandel, in manchen Städten gibt es sogar eigene Craft Beer Shops. Auch findet man in der Gastronomie hier und da ein Craft Beer auf der Karte, oft in Burger-Läden oder kleinen Restaurants, die aus der Streetfood-Bewegung entstanden sind. Da die Auswahl an unterschiedlichen Craft Bieren enorm ist, und die Haltbarkeit dieser Biere – im Gegensatz zu den Industriebieren – nicht unendlich ist, bieten sich, als sehr gute Alternative, Online Shops an.

Craft Beer aus dem HopfenfestAnsonsten empfehlen sich immer Craft Beer Tastings oder Biermessen oder unsere Hopfenfeste.

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