Das eigene Bier direkt von zu Hause – klingt verlockend. Wir zeigen euch, wie ihr bei der nächsten gemütlichen Runde mit dem eigenen Feierabendbier angeben und eure Bier-Buddys begeistern könnt.

Es empfiehlt sich, ein extra Starter-Kit zum selber Brauen zu besorgen. Jedoch gibt es auch die Möglichkeit ­­– quasi für die ersten Testversuche – ohne ein solches Set das eigene Bier herzustellen. Wenn ihr nicht direkt viele Anschaffungen tätigen, aber euch trotzdem als Hobbybrauer*in versuchen wollt, dann braucht ihr dafür:

Malz und Hopfen
Bierspindel, mit welcher man die Stammwürze des Bieres misst
Bierhefe
Jod
2 große Eimer
Kochthermometer
ein altes Betttuch
20 Liter Einmach- oder Glühweintopf
40 Bierflaschen (0,5 L Fassungsvermögen) mit Bügelverschluss

Das Rezept ist für 20 Liter Bier ausgelegt.

Zunächst benötigt ihr 4kg geschrotetes Malz. Das Getreide wird grob gehackt. Es ist wichtig, dass ihr es nicht mahlt, sondern nur zerkleinert.

So bekommt das Bier die Schaumkrone

Der nächste Schritt ist das Einmaischen. Dies bedeutet, dass die 20 Liter Wasser und Malz gemischt werden. Ihr bringt das Wasser auf eine Temperatur von 63° Celsius und fügt nach und nach das Malz hinzu. Umrühren nicht vergessen!

Im Malz ist Stärke enthalten, welche sich beim Maischen in Zucker umwandelt. Außerdem bilden sich Eiweißketten. Es ist wichtig, dass ihr die Temperatur auf 63° haltet. Denn ein echtes Bier schmeckt nur mit Schaumkrone, oder? Für diese ist die richtige Temperatur essenziell.

Jetzt könnt ihr kreativ werden: Ein helleres Malz und längere Maltoserast ergibt ein herberes und stärkeres Bier. Wenn die Maltoserast kürzer ist, bekommt ihr ein süßeres Bier. Ihr beeinflusst das Ganze, indem ihr das Gemisch nach 15 Minuten nochmal weiter aufheizt (auf 71°C) und weiter rührt. Dann könnt ihr eben je nach Dauer und Farbe entscheiden, welches Bier ihr haben wollt.

Achtet darauf, dass das Gemisch nicht anbrennt, sondern immer noch umrührbar ist. Also rühren, rühren, rühren!

Um zu überprüfen, ob noch Stärke in der Mischung ist, könnt ihr den Jodtest machen – Ihr mischt dafür ein bisschen von der Mischung mit ein paar Tropfen Jod auf einem kleinen Teller.
Jetzt geht’s wieder um Farben: wenn die Probe blau/rötlich ist, heißt es, dass der Vorgang noch nicht fertig ist und die Maltoserast noch etwas Zeit braucht.
Wenn die Probe braun/gelb ist, könnt ihr weitermachen!

Ihr seid hoffentlich noch nicht müde ­­­- denn nachdem ihr jetzt die Mischung auf 77°C (auf keinen Fall heißer!) aufheizt, rührt ihr weiter. Das nennt sich Endverzuckerung.

Läutern, überschwänzen und rühren

Weiter geht es mit dem Läutern. Dies bedeutet, dass man die Maische (flüssig) von dem Malz trennt, das ausgekocht wurde. Hier kommt das Betttuch zum Einsatz. Ihr gießt die Mischung über dieses in den Einmachtopf. So wird das Feste vom Flüssigen getrennt. Et voilà: eure sogenannte Würze ist fertig.
Was passiert beim Würzekochen?

Nun folgt das so genannte „Überschwänzen“. Ihr schüttet das maximal 77°C heiße Wasser über den Treber und wascht ihn somit nochmal aus. Was der Treber ist, erklären wir euch hier.

Im nächsten Schritt braucht ihr eure Bierspindel und messt damit die Stammwürze. Dabei erfahrt ihr, wie viel Zucker in einem Kilo Flüssigkeit sind. Oder anders gesagt: ihr ermittelt den Anteil des Malzes (gelöste unvergorene Würze).
Achtet auf den Wert: ein zu hoher Wert bedeutet, dass ihr die Extraktstoffe nochmal mit heißem Wasser auswaschen müsst.
Wenn der Wert zu niedrig ist, lasst ihr beim Würze kochen (der nächste Schritt) mehr Wasser verdampfen.

Ihr kocht also als nächstes die Würze. Das dauert rund 60 Minuten.
Hier bekommt das Bier seine gelbe Farbe: der Hopfen wird hinzugefügt, eine halbe Stunde bevor das Kochen vollendet ist. Ihr benötigt 29,86 Gramm Hopfen für 20 Liter Bier.

Auch der Hopfen lässt euch wieder Entscheidungsfreiheit: es gibt herbe und bittere, aber auch Hopfen, die das Bier süffig schmecken lassen. Auch wie lange ihr den Hopfen mitkocht, beeinflusst den Geschmack: eine kurze Kochzeit konserviert das Hopfenaroma, eine lange Kochzeit sorgt für mehr Gerb-und Bitterstoffe.

Im nächsten Schritt geht’s ans Spindeln. Von dem Sud nehmt ihr ein bisschen ab und kühlt ihn auf 20°C runter. Ihr greift wieder zu eurer Spindel, um den Stammwürzegehalt zu ermitteln. Ein zu hoher Wert heißt für euch, dass ihr noch Eiswürfel hinzufügt, bevor die Hefe dazu kommt.
Ganz wichtig ist, dass die Spindel steril ist. Ihr könnt sie abkochen oder in Alkohol lagern.

Jetzt kühlt ihr den Sud ab, indem ihr ihn in die Badewanne stellt und diese mit kaltem Wasser befüllt. Die Temperatur muss mit der Hefetemperatur übereinstimmen, damit ihr die Hefe hinzufügen könnt. Die liegt zwischen 9 und 15°C. Wie ihr mit Eiswürfeln die Temperatur regelt und die Stammwürze senkt, haben wir ja im letzten Schritt erklärt. Es würde sich um 4 Liter Eis handeln.

Ihr könnt zwischen 40g Trockenhefe oder 0,5-1 Liter Flüssighefe entscheiden. Nachdem ihr diese dem Sud beigefügt hab, heißt es wieder: rühren, rühren, rühren!
Und wie ihr es schon von Omas Hefeteig kennt: Hefe muss abgedeckt werden, um zu arbeiten. Also den Sud abgedeckt ruhen lassen.

Nur noch in Flaschen füllen…

Nun braucht ihr Geduld. Bis zu 3 Wochen kann der Gärungsprozess dauern. Ihr lasst das Bier (bei 9-15°C) gären, bis die Würze bei 4% liegt (hierfür wieder die Spindel benutzen).

Dann füllt ihr das Bier in leere Flaschen ab, wo es nachgären kann. Hier zahlt sich Geduld wirklich aus: wenn ihr zu kurz wartet und das Bier schon abfüllt, können die Flaschen platzen.

Das Ende naht und der Gaumen kribbelt schon: Nach der Nachgärung füllt ihr euer Bier in gereinigte und sterilisierte Bierflaschen. Diese 2 Wochen stehen lassen und immer mal das Kohlendioxid rauslassen, indem ihr die Flaschen mal kurz öffnet. Ihr solltet darauf achten, die Flaschen nie komplett zu füllen, damit sie nicht platzen. Die Flaschen nochmal eine Woche im Kühlschrank lagern…

…und dann folgt auch schon der schönste Schritt: das Anstoßen und Trinken eures selbstgemachten Biers in einer geselligen Runde. Prost!

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